Liga-Reform: Pläne lösen bei den Handballern gemischte Gefühle aus

Eingleisige Oberliga und weniger Teams in den Staffeln

Hildesheim/Hannover. Die Handball- Verbände Niedersachsen und Bremen denken über eine Liga-Reform nach. Sowohl bei den Männern als auch den Frauen gibt es bisher im heimischen Verband zwei Oberligen:

Oberliga Niedersachsen und die Oberliga Nordsee

Bei der angedachten Reform würde daraus künftig eine eingleisige 4. Liga

Hintergrund: Durch solch eine eingleisige Staffel soll das Niveau angehoben werden. Derzeit sind die Leistungsunterschiede zwischen erwähnten Oberligen und der 3. Liga immens. So immens, dass Drittliga- Aufsteiger meist nach einer Saison sofort wieder abstürzen. Beschlossen ist diese Reform aber längst noch nicht. Bei den Handballern im Kreis lösen die Pläne gemischte Gefühle aus.

„Wenn man das Niveau einer Liga steigert, finde ich das grundsätzlich gut“, sagt Sven Lakenmacher, Trainer des Oberligisten SF Söhre. Andererseits würden durch die Zusammenlegung der Staffeln die Anreisen zu den Gegnern wesentlich aufwendiger und teurer. So könnte es beispielsweise sein, dass die Söhrer mal eben zur SG VTB/ Altjührden an die Nordsee fahren müssten – das sind hin und zurück knapp 500 Kilometer. Lakenmacher: „Außerdem fallen Derbys weg.“ Vielleicht auch das gegen die SG Börde, zu dem zuletzt fast 1600 Fans pilgerten.

Ganz so schnell wird die Reform nicht kommen. „Erst 2019 kann darüber entschieden werden, denn dann findet der nächste Verbandstag statt“, sagt Gerald Glöde, Geschäftsführer des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN).

Die Pläne dafür klingen aber schon ziemlich konkret und betreffen nicht nur die Oberligen: Sollten sich die Verbandsdelegierten im kommenden Jahr in der Mehrzahl für die Veränderungen aussprechen, gibt es demnächst (bei den Männern) unter der eingleisigen Oberliga statt einer, zwei Verbandsligen. Und aus den fünf Landesligen werden vier.

Jan Kolja Strube, Interimstrainer des Oberligisten SG Börde, sieht das alles eher skeptisch. „Ich persönlich finde es immer gut, wenn unsere Gegner aus der Nähe kommen – am liebsten hätte ich noch Himmelsthür und Alfeld mit in der Oberliga. Derbys bringen Zuschauer.“ Der Aufwand für die Spieler werde sich in einer eingleisigen Oberliga wesentlich erhöhen, glaubt Strube. „Da ist bei manchen Auswärtsfahrten das ganze Wochenende weg. Außerdem müsste man mehr trainieren. Schwierig, weil Handball für uns immer noch ein Hobby ist, wenn auch ein intensives. Niemand verdient damit Geld.“

Maik Bodenburg, Coach des Landesligisten TuS Grün-Weiß Himmelsthür, hat die Vor- und Nachteile einer möglichen Reform im Blick. Sein Team schickt sich gerade an, wieder in die Verbandsliga aufzusteigen. „Klar ist der Leistungsunterschied zwischen der 3. Liga und der Oberliga hoch. Kaum ein Oberligist will noch aufsteigen“, sagt er. In Liga drei wird auch finanziell unter ganz anderen Bedingungen gearbeitet – hier verläuft die Grenze zwischen Profi-Sport und den Amateuren. Ob man allerdings das Problem durch eine Staffelreform löst, hält Bodenburg für sehr fraglich. „Damit verschiebt der Verband das Leistungsgefälle nur nach unten.“ Soll heißen: Dann würde zwar die neu geschaffene eingleisige Oberliga stärker, weil alle guten Handballer unbedingt dort spielen wollen. Aber darunter leidet dann die Verbandsliga, in der das Niveau rapide sinkt. Bodenburg meint, dass der HVN lieber mehr in die Ausbildung der Trainer und Schiedsrichter investieren solle. „Das würde eher die Qualität im Handball steigern.“

Obendrein diskutiert der Verband, ob die Staffeln von der Landes- bis zur Oberliga von 14 auf 12 Teams verkleinert werden können.

„Es gibt Vereine, die sich weniger Saisonspiele wünschen. So ist es mir nach einer Staffeltagung zugetragen worden“, bestätigt Verbands- Geschäftsführer Glöde. Aber auch darüber entscheidet der HVN erst 2019.

Söhres Trainer Lakenmacher kann solche Überlegungen nicht nachvollziehen: „Wir haben doch ohnehin bloß 26 Spieltage, Pokalpartien fallen ja nicht groß an. Weniger dürfen es nicht werden.“ Schon jetzt gibt es viele Pausen während der Saison – die Amateur- Ligen ruhen in den Schulferien. Lakenmacher: „Wie soll man die Mannschaften bei noch weniger Partien denn bei Laune halten? Die Jungs wollen nicht nur trainieren, sie wollen Punktspiele.“

Ähnlich sieht es sein Trainerkollege Jan Kolja Strube von der SG Börde. Weniger Heim-Auftritte bedeuten zugleich weniger Zuschauer- Einnahmen – auch das dürfte einige Klubs treffen.

„Schon die Reduzierung von 16 auf 14 Teams ist damals kontrovers diskutiert worden. Noch weniger, wäre schwierig. Ich verstehe übrigens überhaupt nicht, warum wir in den Ferien in den Hallen keine Punktspiele bestreiten können. Trainiert wird dann ja auch“, so Himmelsthürs Maik Bodenburg.

Übrigens sieht auch Verbands- Geschäftsführer Glöde die Reform- Ideen kritisch: „Ich bin mir nicht sicher, ob das die Qualität wirklich erhöht.“  Von Ulrich Hempen